
Die Korsikatour wurde dieses Jahr mit zwei Booten bestritten. weitere Tourinfos findest Du in der Tour mit dem zweiten Boot (La Luna Rostock)
Die Crew der Freya wurde gebildet aus dem mehrfachen Weltumsegler und Lebemann Alexander E. Breschendorf, erster Hilfssteuermann und Bordadvokat nachfolgend nur Alex genannt, weiterhin dem mehrfachen Weltumsegler und Lebemann Frank E. Eibisch, verantwortlicher Dark-Metal-er und Sieger des Lesewettbewerbs mit 1562 Seiten in dieser Woche, nachfolgend Onkel Frank genannt, weiterhin an Bord war der mehrfache Weltumsegler und Lebemann Hartmut E. Kirmse, bester Großschoter der fünf neuen Länder und Perlentaucher ohne Flasche und im Reisebericht als Ecki bezeichnet, einen Schlafplatz beanspruchte auch Wilfried E. Knoch, erster Vorschoter ohne Streit und durch einen Geniestreich an Phantasie an Bord nur Willi genannt, als Sun-Downer-Ritualverantwortlicher und leitender Tierarzt an Bord fungierte der mehrfachen Weltumsegler und Lebemann Torsten E. Köhler bekannter unter dem Kampfnamen Lemmi, ebenfalls gelegentlich an Deck gesichtet wurde der mehrfachen Weltumsegler und Lebemann Danny E. Lade, unser Schiffsastrologe und Bewacher der Thermoskannen, seit dem ersten Morgen nur noch als Frotteetier bekannt, außerdem der mehrfachen Weltumsegler und Lebemann Lutz E. Möller dem garstige Zungen den Spitznamen Kongo-Möller verpaßten und natürlicher zu guter Letzt der wichtigste Mann an Bord: der mehrfache Weltumsegler und Lebemann Enrico E. Romstedt nachfolgendend Skipper, Kapitän zur See, Rübennase, Käpt'n, Gysi, Onkel Kapitän, Skippie, Käpt'n Iglo, Napoleon genannt.
Womit beginnt man einen Reisebericht? Mit der Schilderung eines genialen feuchtfröhlichen Vorbereitungsabend beim Feuerwehrfest in Altkirchen, mit den Sorgen und Nöten einer hundertprozentigen Landratte beim Packen oder mit dem Brotbackautomaten von Danny, den er dann doch nicht mitgebracht hat? Ich fang mal mitten in der Anreise von fünf Besatzungsmitgliedern an, denn da ereigneten sich die ersten folgenschweren Begebenheiten. Gezeichnet durch die Nachtfahrt in einer, je nach Sicht des Betrachters, völlig überhitzten bzw. total unterkühlten italienischen Karosse fuhren wir durch die Toscana. Vier der fünf Insassen blickten mit offenem Mund und vor Freude feuchten Augen auf die toscanische Landschaft, auf Pinien und Zedern und Olivenhaine, während sich Danny gelegentlich dazu veranlaßt sah, darauf hinzuweisen, dass es nach wie vor draußen aussieht wie im heimischen Eisenach! Erwähnt werden muß auch noch unser Einkauf in irgendeinem Supermercato in Grosseto. Dort wurden unter anderem 3 mal 6 1,5 Literflaschen Wasser und ein Paket Stangensellerie angeschafft. Aber dazu später mehr.
In Porto santos Stefano fand sich nach und nach die komplette Reisegruppe ein, Matti natürlich standesgemäß als Letzter. Bis zur entgültigen Abreise vergingen mehrere Stunden mit Büchsenbier und Sonne sodaß dann nur noch ca. 19 Stiegen mit Blechsemmeln und ca. 731kg Wurst, Fleisch und Nudeln verladen werden mußten. Nach schier endlosem Bestücken der beiden Boote und den nötigen Einweisungen konnte es endlich losgehen, nein nicht mit Ablegen sondern mit dem feierlichem Fahnenappell! Gehisst wurde die Fahne des glorreichen FC Carl Zeiss Jena. DDR-Meister 1963, 1968 und 1970, DDR-Vizemeisterschaften 1966, 1969, 1971, 1973, 1974, 1975 und 1981 sowie vier FDBG-Pokalsiege 1960, 1972, 1974 und 1980. 87 Europapokalspiele stehen zu Buche und einer der größten sportlichen Erfolge war die Finalteilnahme im Europacup der Pokalsieger 1981. Leider hatte ich meinen wasserfesten Stift für die Miezekatze mitgenommen denn ich durfte das Großsegel nicht mit dem Emblem des 'besten Fussballclubs wo gibt' verzieren. Kurz nach dem Auslaufen gabs dann die ersten langen Gesichter. Die beiden 'geborgten' Seeleute Steffen und Marco achteten peinlich genau auf die Einhaltung der Rituale. So kreiste eine Flasche Kicherwasser an der sich im Wechsel immer Besatzung und Neptun ergötzen. Da offensichtlich aber ein Sparbrötchen am Werk war gabs nur billigen Fusel und bei Einigen nur ein ziemlich verkniffenes Gesicht.
Noch vor Einteilung der Wache für die Überfahrt nach Korsika schleppte sich Kongo-Möller, schwer in Mitleidenschaft gezogen durch die für ein mitteleuropäisches Haupt zu dieser Jahreszeit ungewöhnliche Sonneneinstrahlung und des, aufgrund der Wartezeit, langanhaltenden übermäßigen Biergenusses, in die Koje. Zu diesem Zeitpunkt entdeckten wir auch dass sich beim Kauf des Wasser ein folgenschwerer Irrtum zugetragen hat. Wir mußten feststellen das es an Bord außer dem Trinkwasser in den Bordtanks nur noch 27 Liter Zitronenlimonade gab, also eine Menge mit der man ganz Korsika drei Tage vorm Verdursten hätte retten können. Und bei wechselnder Windrichtung und auch -stärke schipperten wir (auch 1 Stunde unter Motor) durch die Nacht in Richtung Korsika.
Einen sensationellen zweiten Platz auf der Regattaetappe Porto Santos Stefano - Porto Veccio belegte die Freya. 14:00 Uhr, also nur wenige Stunden nach der Siegeryacht 'La Luna', legte die 'Freya' mit ihrer überglücklichen Crew in dem kleinen korsischen Hafen an. Vor lauter Freude, auf der großen Liste des Lebens hinter Korsika ein Häckchen machen zu dürfen, öffneten wir erstmal ein Pils und fielen auf die Knie um korsischen Boden zu Küssen, zumindest erstmal den Steg im Hafen. Da die Liegezeit nur ungefähr zwei Stunden betragen sollte, wurde von uns sofort ein Wasserbesorgungskommando zusammengestellt, um den Fehler mit der Zitronenlimo auszubügeln. Leider haben die Jungs das wohl etwas falsch verstanden, denn anstatt ohne Rücksicht auf Verluste Wasserfürs Boot zu besorgen, trottete der Stoßtrupp in die nächstgelegene Cafeteria um sich selbst zu laben. Also weiterhin Tristesse in Sachen nichtalkoholischer Getränkeversorgung. Wir kämpften in derselben Lokation mit der uns völlig fremden französischen Sprache. Während dem armen Onkel Frank beim Lächeln der Kellnerin nicht mal mehr die Grundlagen seiner Französisch-Schulkenntnisse einfallen wollten, versuchte der Rest in der Karte irgendwelche bekannten Wortstämme zu entdecken, um nicht versehentlich irgendwelche landtypischen Köstlichkeiten zu bestellen, die ansonsten jeden ehrlichen Mitteleuropäer auf der Stelle zu Boden reissen oder rote Gnubbel auf die Unterlippe zaubern. Es gab dann sowas wie ein Schafskäsebaguette, welches auch vorzuglich mundete,und Onkel Frank gewann seine Selbstsicherheit auch langsam wieder, sodaß er dann in sauberstem français die Rechnung bestellen konnte.
Nahezu zur geplanten Zeit gings dann ab in eine Bucht nahe des Hafens, um lagerzufeuern und zu grillen( um das mal genauestens zu klären: ein ehrlicher bodenständiger Thüringer hat einen Grill nur in der Küche um Karlis zu bereiten, er grillt niemals draußen und keinesfalls Steaks! Er brät auf seinem Rost, und zwar Rostbrätchen/Rostbrätl sowie Bratwürste/Roster/Rostbratwürste. Einen Exkurs über die Zutaten und den Aufbau einer Rostbratwurst gibts gern auf Anfrage moelle ) In der Bucht angekommen hatten alle 'wahren FCC-Fans(TM)' ihren kleinen inneren Parteitag. Die Leine, an der unsere stolze Fahne hing, war gerissen und bedurfte dringender Reparatur. Alex, der sich nach Schilderung der Situation in der NOFV-Oberliga Staffel Süd an seine vogtländische Heimat besann und plötzlich zum glühendem VFC Plauen Fan wurde, war auserkoren im Bootsmannsstuhl auf halber Höhe hängend, die nötigen Flickarbeiten zu tätigen. Außerdem stellte sich heraus, dass wir das Dingi mit dem wohl beschissensten Motor des gesamten mediteranen Vegetationsraumes hatten. Was Armkraft und Schulterschmerzen mit einem 9,9PS Yamahamotor zu tun haben kann Lemmi mit Sicherheit hinreichend erläutern.
Nach dem erfolgreichem Abschluß des Manövers gabs nochmal etwas Schlaf für uns alle, doch danach ereignete sich Sensationelles. Während des Frühstücks erlebten wir alle das erste Auftreten des Frotteetieres. Es blieb jedem der Bissen im Halse stecken aufgrund des überraschenden Erscheinens des überaus seltenen, in freier Wildbahn kaum noch zu sehenden Frotteetieres. Was für eine Sensation! Alle Sielmanns und Gryzemeks dieser Welt liegen wochenlang im Sumpf, in der Steppe und im Urwald auf Lauer um wenigstens ein Foto zu erhaschen und wir haben die Gottgnade, Eines auf unserem Schiff zu beherbergen.
Der Skippie ist außer sich wegen der mangelnden Disziplin und Pünktlichkeit seiner Leichtmatrosen. Was war passiert? Nach unserem morgendlichen Ausflug auf die Festung in B. litten die Besatzungsmitglieder Frank E. Eibisch und Lutz E. Möller an schweren Verdurstungserscheinungen. Kein Problem, rein in die nächste Schenke und Vin Rouge bestellt, sich per Telefon vom Skipper bezüglich Abfahrtszeit ermahnen lassen, kurzer Blick auf die Uhr - noch eine Stunde Zeit und außerdem gesellten sich noch 3 Freyaner zu uns. Deshalb und weil die Kellnerin doch etwas zu geil für uns aussah bestellten wir nichtsahnend noch etwas feste Nahrung. Kurze Zeit später kamen wir zu der Erkenntnis dass die Uhr, die uns eben noch eine Stunde Zeit versprochen hatte, irgendwie nicht mehr richtig mispielte denn es waren nur noch 5 Minuten bis zur geplanten Abfahrt und Enrico E. Romstedt stand not amused in unserem niedlichen Bistro und machte uns unmissverständlich klar, was er davon hält. Unsere minderwertigen Französisch-Kenntnisse und ein kurzer Blick auf die Bedienung hielten uns davon ab die Bestellung zu stornieren und so legten wir mit reichlicher Verspätung in Bonifacius ab. Dafür boten wir aber unser bestes Tennis bzw. Hafenkino. Beim Lösen einer Achterleine bildete sich irgendwie eine Schlaufe und dadurch lief das Seil nicht durch den Ring am Steg sondern bildete dort einen, vom Boot aus unlösbaren Knoten. Also legten wir am nächsten Steg nochmal notdürftig an und während Willi zurückrannte, um das Seil wieder in unseren Besitz zu bringen, verwünschten wir Berti, der uns tagszuvor an eben dieser Achterleine geholfen hatte beim Anlegen. Durch eine Indeskretion ohne Gleichen ist dem Schreiber dieser Zeilen inzwischen der wahre Urheber bekannt. Der Skipper selbst hatte beim Ablegen an der Klampe rumgefummelt und die fröhliche Schlaufe verursacht. Wir hoffen unsere Flüche haben nicht funktioniert und Berti geht es gut.
Ein kurzer Trip in die nächstgelegene Bucht um dort zu nächtigen. Während das Taucherboot offensichtlich endlose Ankermanöverübungen durchführte badeten wir schon fröhlich in dem sehr erfrischendem 15 Grad kaltem Wasser. Zwei Stunden später waren die Taucher dann endlich alle in ihr Froschfotzenleder geschlüpft, bärmelten über die Wassertemperatur und dümpelten etwas durch die Bucht. Das abendliche Braten am Strand wurde wegen zu kalt und zu mückig abgesagt.
... und der Stangensellerie liegt immernoch unberührt im Kühlschrank!
Der Tag fing schon Scheiße an. In der Nacht muß sich unser Skipper oral entleeren. Was so ein richtiger Skipper ist der hat natürlich auch eine Ausrede parat. Es soll angeblich an den Zwiebeln vom Abendbrot gelegen haben. Zu diesem Zeitpunkt deutete sich schon für den sensiblen Betrachter an, dass wir offensichtlich einen gebrauchten Tag angedreht bekommen hatten. Oder es war die langerwartete Rache Freyas, der wir, mit Rücksicht auf die Einwohner Porto Santos Stefanos und etlicher Touristen, vor Reiseantritt kein Rind geopfert hatten. Hätten wir mal nicht auf die Sparfüchse gehört, die meinten der Kauf eines Rindes würde unsere Bordkasse sofort sprengen. Nachdem der Käpt'n gegöpelt hatte fing der Tag eigentlich gut an. Bei Windstärke 3-4 segelt wir frohen Mutes in Richtung unseres Tagesziels Porto Cervo auf Sardinien. Auf Deck übten alle Knoten wie die Bekloppten. Unter Deck hat sich ein Lesezirkel, bestehend aus den heutigen Backschaftern, dem Frotteetier und dem dermatologisch schwer lädiertem Darkmetaler, gebildet. Erster Zwischenfall: Die Steueranlage funktioniert nicht mehr; ohne merkliche Kursänderung kann man an dem einen Steuer drehen wie man will. Da macht sich doch wiedermal bezahlt das unserer Skipper beim Kombinatsbetrieb VEB Carl Zeiss Jena gelernt hat. Flott die orangeblau Kiste geholt, etwas geschraubt und gefrickelt und siehe da: Es geht wieder. Da wir nach vier Tagen Segeln nun halbwegs wissen wo es langgeht und der Skipper auch langsam Vertrauen in seine Mannschaft zu setzen scheint, werden wir alle etwas wage- und übermütiger. Das Resultat sind eine halbe Patent-Halse und noch eine, bei der Gysi ziemlich unkontrolliert zu Boden geht, kurz die Schildkröte macht um dann sofort mit den Worten "Wo ist meine Brille?" aufzuspringen. Aber nach Überstülpen der Seehilfe ist alles wieder in feinster Ordnung und die Reise kann verlustfrei fortgesetzt werden.
Nachdem der Wind abgeflaut ist, sodass wir mal den Motor anwerfen mußten, kommt es zum zweiten Zwischenfall. Unter Deck hört sich der Motor an wie ein Tagebau-Abraumbagger. Kurze Hörprobe des herbeigerufenen Verantwortlichen und sofort kommt das Kommando: MASCHINE AUS!!! Wir schreiben den 20.Mai 2004, 16:30 Uhr, unsere Position ist 41grad,11min,173sec N - 9grad34min637sec O, Speed 0, wir havarieren und werden alle sterben müssen. Während Enrico angestrengt nach einer Lösung grübelt, losen wir schonmal wer als Erstes gegessen werden darf. Zu ungefähr diesem Zeitpunkt tauchten mehrere Delphine auf. Sollten diese lustigen Tiere doch des Menschen Freund und Lebensretter sein? Ist Flipper keine Fiktion sondern eine Doku-Serie? Nachdem wir, wie Japaner auf Europatournee, versucht haben die Viecher zu fotografieren, verpissten sich die dämlichen Arschlöcher ohne Hilfe zu holen! Trotzdem bestand Willi auf der Erkenntnis, dass er sie als erstes gesehen hat. Nachdem Ecki ohne Tauchgerät unters Boot abtauchte, um nach der Schraube zu schauen, uns also den Reinhold Messner der Meere gibt, können wir diese schonmal als Fehlerquelle ausschliessen. Nach einem Telefonat mit Matti mußten wir erneut die orangblaue Kiste bemühmen, die drei vorhandenen von den vier möglichen Schrauben am Saildrive wieder fest anrütteln und weiter gings mit der Hörprobe. Derart sensibilisiert hörten nun natürlich 8 Leute mindestens 67 verschiedene beängstigende Geräusche und wir waren weiterhin der Meinung dass wir alle sterben müssen, oder wenigstens jämmerlich auf dem Mittelmeer am Zitronenlimoschock eingehen. In dieser Situation ist ein entschlußfreudiger Kapitän gern gesehen. Und das genau tat er (dann) auch. Mit den Worten 'No risk no fun' nahmen wir wieder Kurs Porto Cervo auf.
Wir hatten also an diesem Tag schon zweimal das Schiff vorm sicheren Untergang gerettet. Wir waren in so einer Reparierlaune dass wir, wenn wir die Henkel von all den angeschlagenen Tassen gefunden hätten, auch diese noch angeklebt hätten. In "Korsika, Nordost-Sardinien, toskanische Inselwelt" (Andrea Horn, Wyn Hoop 3.Auflage 1998 ISBN 3-89225-160-6) findet sich folgender Text zum Thema Porto Cervo: "Die flaschenhalsartige Einfahrt zur Bucht von Porto Cervo, zwischen zwei niedrigen, von kleinen Feuerträgern markierten Felsluken, ist von See nicht leicht zu erkennen, aber aus- und einfahrende Yachten weisen den Weg." Hmm, offensichtlich ist dies in der Vorsaison nicht ganz so häufig und als Einfahrmarkierung eher unbrauchbar. In Ermangelung ordentlicher Seekarten und da dieses Machwerk unser einziges Navigationshilfsmittel war, fuhren wir nichtsahnend an Porto Cervo vorbei, um dann anderthalb Buchten weiter südlich festzustellen, daß das Landschaftsrelief, die plötzliche Wassertiefe von 5m und die sichtbare Betonnung irgendwie nicht mit unserem Ziel übereinstimmte. Aber letztendlich schafften wir es doch noch bis Porto Cervo, den Hauptort der "Smaragdküste" Costa Smeralda, entstanden 1962, als Prinz Aga Khan den Naturhafen als idealen Ort für ein exklusives Tourismuszentrum entdeckte. Geblendet von soviel Luxus, den blitzweissen Mooringleinen und der geldschwangeren Atmosphäre, lies es sich Ecki nicht nehmen, sofort nach dem Anlegen an die mondäne Behausung des Hafenmeisters zu strullen, oder war es derYachtclub, der die Ähnlichleit mit einem 6 Sterne Hotel hatte. Wenn das der Hafenmeister entdeckt hätte, wäre es vermutlich unser kürzester Hafenaufenthalt ever gewesen. Hat er aber nicht und so konnten wir in Ruhe Duschen, den Schritt waschen und die Schalmei bürsten und waren gerüstet um in den Männertag reinzufeiern. Unsere Wahl fiel auf 'Lord Nelsons's Pub', neben dem für uns unzugänglichem Yachtclub, der einzige offene Laden in der Bucht. Mit Cuba Libre, Long Island Icetea, Mai Tai, Caipirinha, Mojito und abschliessend einem kollektiven Lord Nelsons Special wiegten wir uns in den Schlaf.
In der bordinternen Zeitrechnung schreiben wir den zweiten Tag des Lesezirkels und den sechsten Tag des Stangenselleries. Bei brütender Hitze und Windstille gehen wir vormittags, nahezu gemeinsam, ca. 2km im mondänen Hafen einkaufen. Später noch der schonerwartete Schock mit den Hafengebühren. Verlangt und gezahlt wurden 82,54 deutsche Euronen die sich in Liegegebühr 59,94 Euro, Strompauschale 11,00 Euro und Wasserpauschale 11,60 Euro aufteilten. Danach gabs eine Runde Espresso für alle in der nahen Caeteria. Unser Vorhaben, sich der Örtlichkeit anzupassen und gesittetes Benehmen an den Tag zu legen, wurde sofort zunichte gemacht als wir einen Gesprächsfetzen vom Nachbartisch, bestzt mit zwei Damen mittleren Alters, aufnahmen: "der macht gynäkologisch alles". Brüllend lagen wir uns in den Armen und vorbei war's mit der Contenance. Passend dazu brachte der Dark-Metaller folgenden Klassiker: "Wenn ich den ganzen Tag eine Dauererektion habe tun mir abends die Eier weh". Im Allgemeinen schwenkten die Gesprächsthemen mit fortschreitender Reisedauer immer mehr in Richtung zwischenmenschliche Beziehungen bzw. einem nicht unwesentlichem Teil derselben. Besondere Lautsprecher waren übrigens diejenigen, die es eigentlich absolut nicht nötig hatten. Der seit einiger Zeit an chronischer Untervögelung leidende Schreiber dieser Zeilen hätte wesentlich mehr Grund zu jammern. Aber lassen wir das Thema. (am Ende des Berichts gibts meine mailadresse, falls mir jemand schreiben möchte, eine Brieffreundin hatte ich auch schon lange nicht mehr)
Während Ecki nach Bierbüchsenascher greift und einen kräftigen Schluck nimmt laufen wir aus in Richtung Heimathafen Porto Santos Stefano. Auf offener See feiern wir eine wilde Orgie an Bord. Der Kapitän lobt unser Ablegemanöver unter Verwendung des Adjektives "perfekt" worauf die Deckmannschaft vor lauter Begeisterung anfing wie wild zu onanieren. Das wärs eigentlich, achja, es ist ja Seemannssonntag. Deshalb gabs Kuchen vom Kapitän zur See, der allerdings nicht von Ihm bezahlt wurde, sondern aus der Bordkasse. Letztendlich war es für alle, mal abgesehen vom Frotteetier, der nüchternste Männertag seit keine Russen mehr im Land sind. Das ist für's nächste Jahr absolut nicht akzeptabel und in der Reiseplanung mit hoher Priorität zu berücksichtigen.
Alle Details und Namen des Berichtes sind möglicherweise komplett erfunden Falls sich jemand beeinträchtigt fühlt oder glaubt, eine Begebenheit sei nicht wahrheitsgetreu wiedergegeben, erhält er trotzdem keinen Regress, sondern ich verweise auf die künstlerischer Freiheit. Bei der Erstellung des Reiseberichts wurden keine Tiere gequält. Die täglichen Windangaben können angezweifelt werden, denn sie entstammen dem Gedächtnisprotokoll des Skippers und ich beantrage die nachträgliche Erstattung der Kosten für 2 Flaschen Rotwein aus der Bordkasse, da diese fürs Dichten des Reiseberichts von Nöten waren und ich am kreativen burn-out mehrmals nur knapp vorbeigeschrammt bin. Danksagungen, (nur sachliche) Kritik und Heiratsanträge an moelle@kernbergmaradona.de.